Rentner im Visier des Finanzamtes2018-02-27T14:35:36+00:00

Rentner im Visier des Finanzamtes

Die meisten Rentner dachten bisher, sie müssten keine Steuern zahlen.

Viele entrichteten zwar bislang tatsächlich keine Steuern oder haben keine Steuererklärung abgegeben. Seit 2005 gibt es aber das sogenannte Alterseinkünftegesetz mit einer höheren Besteuerung der Renten und neuen Kontrollmöglichkeiten für die Finanzämter.
Für ca. 4 Millionen Rentner bedeutet das, sich auf Grund des geänderten Steuerrechts wieder oder auch zum ersten Mal mit diesem Problem auseinandersetzen zu müssen. „Viele Rentner sind verunsichert und wissen nicht, was zu tun ist“, weiß Steuerberaterin Claudia Gast von der Lohnsteuerhilfe Hamburg e.V. „Wer nicht selbst zurecht kommt, kann sich an uns wenden.“
Genaue Kenntnisse über die tatsächliche Anzahl steuerpflichtiger Rentner gab es bisher nicht, da die Einkommen der Ruheständler nicht entsprechend zentral erfasst wurden.
Doch damit ist nun Schluss, denn seit 01.10.2009 übermitteln sowohl Rentenversicherungsträger und Versorgungswerke als auch private Versicherer den Finanzbehörden alle Zahlungen an die Rentner.

Das Finanzamt hat nun die Möglichkeit, zu prüfen, ob ein Rentenempfänger seiner Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung nachgekommen ist oder nicht.

Denn ab dem Jahr 2005 sind Leibrenten zu 50 % steuerpflichtig. Der steuerpflichtige Anteil erhöht sich, sofern der Laufzeitbeginn einer Rente nach dem Stichtag 31.12.2005 liegt. So beträgt er beispielsweise für Renten, die 2018 zu laufen beginnen, 78 %, d. h. 78 % der Renteneinkünfte sind steuerpflichtig. Renten mit Laufzeitbeginn ab 2040 sind sogar voll steuerpflichtig. Hier finden Sie eine Tabelle zur Rentenbesteuerung 2005-2040.

Dazu können auch Informationen von anderen Stellen über weitere Einkünfte der vergangenen Jahre vom Finanzamt angefordert werden, was den einen oder anderen Ruheständler um den Schlaf bringen könnte. Insbesondere, wenn neben den Renteneinkünften noch weitere Einkünfte z.B. aus Kapitalvermögen oder Vermietung – wissend oder unwissend – nicht angegeben wurden.

Deshalb ist es wichtig, prüfen zu lassen, ob und in welcher Höhe Steuern zu zahlen sind.

Denn nur für Einkünfte, die über dem Existenzminimum liegen, können Steuern anfallen. Hier finden Sie eine Tabelle zu den Grundfreibeträgen 2007-2018.

Zu beachten ist ferner, dass die Nichtabgabe von Steuererklärungen als Steuerverkürzung und folglich als Steuerordnungswidrigkeit gewertet werden kann. Außerdem fallen bei verspäteter Abgabe ggf. Verspätungs- und Säumniszuschläge an, die vermieden werden sollten. Die Steuernachforderung wird nach Ablauf einer sog. Karenzzeit verzinst. Die Abgabe einer Erklärung kann durch Festsetzung eines Zwangsgeldes erzwungen werden.

Daher sollte in jedem Einzelfall die steuerliche Situation geprüft werden. Fragen hierzu beantwortet kostenlos die Lohnsteuerhilfe Hamburg e.V.